Außenstehende und Burschenschaften
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Die Mensur - kein Duell |
Bedeutung der Mensur |
Der Schmiß |
Mensur und Justiz
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Außenstehende und Burschenschaften 
Wir wollen Interesse wecken, uns unvoreingenommener Kritik und den vielen offenen Fragen gern stellen. Außenstehenden fällt bei Burschenschaft zuerst das Wort "rechtsradikal" ein, dann das Fechten. Wohl kaum ein anderes Thema
interessiert und fasziniert einen Außenstehenden an Verbindungen so sehr wie die Mensur. Gerade jene, die sich nicht intensiv,
ja sogar nie mit diesem Thema befasst haben, glauben die oft haarsträubenden und unsubstantiierten Unterstellungen der
Presse. Märchen grassieren über die Form der Mensur. Jenen, die ihre Vorurteile einmal hinterfragen, und einen kurzen Blick
in die Geschichte werfen wollen, sind diese folgenden Zeilen gewidmet:
Studentische Vereinigungen gibt es schon so lange wie es die Hohen Schulen gibt. In Deutschland war das Leben an den
Universitäten bis zur Reformation keineswegs so frei wie man es glauben möchte. Die Studenten lebten und wohnten in der
"Burse", die ein organisatorischer Bestandteil der Universität war, und somit kaum Platz für Freizeit lies.
Es ist nicht überraschend, wenn sich die Studenten bei den vielen auferlegten Regeln und Zwängen als "Burseknecht"
bezeichneten. Aus dieser Bezeichnung wurde später die Bezeichnung "Bursche". Noch älter ist die Bezeichnung "Fux". Einen
Fuxenabt gab es bereits um 1250 in Paris. Dies war jedoch zu jener Zeit noch eher eine Namensgebung für die Erstsemester.
Erst im 19. Jahrhundert kam der Begriff "Fux" für die neuen Mitglieder einer Verbindung auf.
In dieser Zeit entstanden auch die Anfänge vieler unterschiedlicher Bräuche, die später Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Verbindung
werden sollten.
Im 16. Jahrhundert begann man mit dem Tragen des Degens, der später vom sogenannten Schläger abgelöst wurde. Zu dieser Zeit
ließen sich auch die ersten Fechtmeister in den Universitätsstädten nieder, um die Studenten zu unterrichten. Dies hatte
zur Folge, dass um 1579 erstmals in Freiburg von einem Duell auf Hieb berichtet wurde. 1817, auf dem Wartburgfest, waren es
500 Studenten, welche sich dort zur Versammlung einfanden. 1818 erfolgt in Jena die Gründung der "Allgemeinen Deutschen
Burschenschaft".
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Die Mensur - kein Duell! 
Viele werden fragen, warum Studenten das tun. Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Verstehen kann den Sinn der Mensur
aber nur der, der selber Waffenstudent war oder ist, und gefochten hat. Das Fechten allgemein gibt es in Europa seit der
Antike. Das Fechten der Studenten ist im ausgehenden Mittelalter entstanden. Neben dem Adel, Würdenträgern und Offizieren
stand nur den Studenten das Recht zu, Waffen zu tragen. Verliehen wurde dieses Recht durch Kaiser Maximilian.
Fechtmeister unterrichteten die Studenten. Das akademische Fechten gehört zu den Traditionen studentischer Korporationen.
Verhaltensforscher Konrad Lorenz sagte einmal über den Sport: "Die Mensur ist und war nie ein Duell. Sie war nicht
Waffenkampf, sondern Waffenspiel, am ehesten vergleichbar mit dem ritterlichen Turnier. Sie bezweckt vor allem
Geistes- und Charakterschulung. Der - und dieses trifft bestimmt auch auf die Bestimmungsmensur zu - vollbringt diese
kulturell ritualisierte Form des Kämpfens auch die unvergleichliche Aufgabe, den Menschen zur bewussten und verantwortlichen
Beherrschung seiner instinktmäßigen Kampfreaktionen zu erziehen. Die Fairness oder Ritterlichkeit des Sportes,
die auch unter starken, aggressionsauslösenden Reizeinwirkungen aufrechterhalten wird, ist eine wichtige kulturelle
Errungenschaft der Menschheit. Außerdem wirkt der Sport segensreich, indem er wahrhaft begeisterten Wettstreit zwischen
überindividuellen Gemeinschaften ermöglicht". Ein wichtiger Grundsatz ist bis heute unverändert geblieben: Treffen ohne
getroffen zu werden. Fechten ist somit ein Dialog. Es ist wichtig, wie in einer Diskussion auf die Argumente des
anderen einzugehen und sie dann geschickt und geistesgegenwärtig zu erwidern. Im Fechten nennen wir das Parade - Riposte
(=Angriff). Hierzu sind Disziplin, Körper- und Geistesgewandtheit sowie Konzentration erforderlich. Es sind somit im
gleichen Maße Körper und Geist beansprucht, vielleicht sogar noch mehr der Geist." |
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Bedeutung der Mensur 
Die Mensur hat die Komponente des ungefährlichen sportlichen Wettkampfes, aber in der Art und Weise wie sie ausgetragen wird,
hat sie auch etwas von der spannenden Dramatik eines ritterlichen Zweikampfes, in dem es auch um eine gewisse persönliche
Bestätigung geht.
Insgesamt muss man sagen, dass das Mensurfechten zwar spektakulär klingen mag, tatsächlich aber eine konsequente und mutige
Haltung von jedem einzelnen erfordert. Wie auch bei anderen Sportarten, fordert das Schlagen von Mensuren eine gewisse
Disziplin. Bevor man zu einer Mensur antreten darf, muss man das in wöchentlichen "Paukstunden" erlernen.
Die Verbindungen trainieren daher mehrmals wöchentlich auf ihrem hauseigenen Paukboden. Dieses Training schweißt
die Verbindung noch enger zusammen, als sie es so schon tut. Dem jungen Aktiven wird klar, dass sich alle Bundesbrüder,
vom Ältesten bis zu ihm, dieser Herausforderung gestellt haben, und sie alle hinter ihm stehen, wenn er zum ersten Mal
auf Mensur steigt. Erst nach 1 bis 2 Pauksemestern darf der "Fux" zur ersten Mensur antreten. Jede Verbindung ist bemüht,
möglichst gleichwertige Paukanten (Größe, Technik und Härte) zu ermitteln und gegenüberzustellen.
An der Mensur beteiligt sind: Zwei Paukanten, welche ihre Mensur fechten. Ihnen zur Seite stehen die beiden Sekundanten,
die spätestens am Ende eines Ganges zu je fünf Hieben hochgehen, um ihren Paukanten zu "schützen". In der Mitte der
Unparteiische. An den Seiten die Testanten zur Betreuung der Paukanten, sowie zwei Ärzte. |
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Der Schmiß 
Der sogenannte Schmiß ist nicht das Ziel der Mensur. Vielmehr versucht jeder Paukant möglichst unverletzt aus der
Mensur hervorzugehen. Bis auf diese rein kosmetischen
Verletzungen ist das Fechten ungefährlich. Die Wunden werden sofort ärztlich versorgt. Der Schutz ist immer weiter
verbessert worden: Halsbinde, Paukweste, Stulp (Armschutz) und Mensurbrille schließen gefährliche Verletzungen aus.
Ein Eishockeyspieler oder ein Boxer ist bei seinem Sport weitaus mehr gefährdet, eine schwere Verletzung zu erleiden, als
ein Paukant. Die Mensur wird von den Paukanten als ein sehr intensives und schönes Erlebnis geschildert. Dieses Erlebnis hat bisher jeden bereichert, und hat fast jeden Paukanten an seine eigenen Grenzen geführt. Es verstärkt das Gefühl, welches sich während des Trainings aufgebaut hat,
um ein Vielfaches. Dieses Gefühl und dieses vermittelte Wissen verbindet über Generationen. Das Gemeinschaftserlebnis der Mensur besitzt für die Füxe eine Integrationskraft, daß sie ihres gleichen sucht. Wir können mit gutem Gewissen an ihr und der damit verbundenen Tradition festhalten.
Eine Mensur bedeutet nicht nur die Körperertüchtigung durch das Trainieren, sie formt auch den Charakter des
Paukanten. Er beweist sich und anderen, daß er in extremen Situationen Höchstleistungen erbringen kann, und vielem
gewachsen ist, wenn er sich durch genügend Selbstdisziplin auf wichtige Ereignisse gut vorbereitet hat. Ein jeder kann hier
zeigen, ob er Extremsituationen bestehen kann. Jeder Paukant hat sich verbindlichen Regeln, dem sogenannten Fechtcomment, zu unterwerfen. Die Mensur ist für jeden Fechter eine Ausnahmesituation, die ihn Überwindung kostet; gerade darin besteht ihr Wert. Die Mensur stärkt Selbstdisziplin und Körperbeherrschung.
Der fechtende Student hat danach zu streben, seinen Mitpaukanten nicht als Gegner zu sehen und zu besiegen, sondern durch
technisches Können kontrolliert eine Extremsituation durchzustehen. Das Ausweichen vor Hieben des anderen ist nicht zulässig.
Dabei bestimmt nicht das eigene Ermessen, sondern im Falle eines Treffers das Urteil des Paukarztes, bzw. die festgelegte
Gangzahl das Ende der Mensur. Innerhalb einer Verbindung werden keine Mensuren ausgetragen, d.h. man ficht immer gegen
ein Mitglied einer anderen Verbindung. |
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Mensur und Justiz 
Die Mensur ist ein wichtiger Diskussionspunkt zwischen Verbindungsstudenten und Außenstehenden. Die Mensur wird heute noch
in vielen deutschen Studentenverbänden ausgeführt; für viele Außenstehende ist die Mensur immer noch sehr umstritten.
Das Strafgesetzbuch Deutschlands hat das Duell generell verboten. Das Reichsgericht setze 1883 die Schlägermensur zunächst
dem Duell gleich.
1933 wurde die Mensur ausdrücklich für straffrei erklärt. Dies bezieht sich jedoch nur auf die Mensur, nicht auf Duelle.
1952 wurde vom Göttinger Landgericht die Mensur ebenfalls für straffrei erklärt. Dies wurde zwar vom Alliiertem Kontrollrat
vorläufig wieder aufgehoben, jedoch stellte der Bundesgerichtshof (BGHSt 4,24f) 1953 fest, daß die Bestimmungsmensur
nicht den Tatbestand des Zweikampfes mit tödlichen Waffen erfülle (Begründung: Mit Recht ist das Landgericht
der Auffassung, daß eine Bestimmungs- oder Verabredungsmensur, bei der lebensgefährliche Verletzungen durch
Kampfregeln und - diesen Regeln entsprechend - durch besondere Schutzmaßnahmen (damit sind gemeint: Stulp, Mensurbrille,
Halsbandage, Kettenhemd oder Paukweste, Mensurschürze und Handschuh mit eventueller Ketteneinlage) mit Sicherheit
ausgeschlossen werden kann, daß es sich um einen Zweikampf mit tödlichen Waffen im Sinne der §§ 201 bis 210 StGB
handelt).
Auch einen Verstoß gegen die guten Sitten (§ 266 a StGB) verneinte der BGH (Begründung: Als Verstoß gegen die guten Sitten
kann in diesem strafrechtlichen Sinne nur das angesehen werden, was nach dem Anstandsgefühl aller billig und gerecht
Denkenden zweifellos kriminell strafwürdiges Unrecht ist. Für die Bestimmungsmensur trifft dies nicht zu).
Eine Verwaltungsklage hat in Berlin in letzter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht folgende Rechtsprechung erwirkt: In
dem Urteil vom 24.Oktober 1985 (BVerwG 7, 125 und 7, 287) heißt es: Mit Recht habe bereits das Oberverwaltungsgericht
verneint, daß das Mensurenschlagen strafbar oder sittenwidrig sei. Auch das Bundesverwaltungsgericht sehe keine
Veranlassung von der Auffassung des Bundesgerichtshofes abzuweichen.
Auf dem Gebiet des Verwaltungsrechts geht kein Tatbestand als strafbare oder sittenwidrige Handlung hervor, dessen
Strafbarkeit das hierfür zuständige Bundesgericht wegen Fehlens der Sittenwidrigkeit mit überzeugten Gründen verneint.
Vom Staat ist sie für straffrei erklärt worden.
Aus der Sicht der Kirche gilt folgendes: Die katholische Kirche setzte sie dem Duell gleich, und stellte sie unter Strafe.
Nach der neuesten Fassung des codex juris canonici (1983) steht die Bestimmungsmensur auch offiziell nicht mehr unter
kirchlicher Strafandrohung, da sie nicht mehr als Vorbereitung zum Duell anzusehen ist. Sie wird aber nach wie vor
kirchlicherseits als sittlich verwerflich angesehen. |
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